Clickfortravel
powered by Kuss ReisebüroMietwagen Madeira: Tipps für steile Straßen & Automatik
Kennst du dieses Gefühl, wenn du im Reisebüro sitzt, die Kataloge wälzt und plötzlich dieses Kribbeln im Bauch hast? Nicht das vor Aufregung, sondern diese leise Sorge. Genau das erleben wir hier im Team KUSS oft, wenn wir unseren Kunden von Madeira erzählen. Da sind diese Bilder im Kopf: Grüne Berge, die sich wie grüne Kathedralen aus dem tiefblauen Atlantik schrauben, und Straßen, die eher an Achterbahnen erinnern als an den Weg zum Supermarkt. Ich sage dir ganz ehrlich: Wenn wir früher, in unseren Anfangsjahren, mit dem Mietwagen die Rampe aus dem Parkhaus in Bochum hochgefahren sind, war das ein Witz gegen das, was dich in Funchal erwartet. Aber – und das ist ein großes Aber – lass dich nicht verrückt machen. Wir sind diese Straßen selbst gefahren. Wir haben geflucht, wir haben gestaunt und wir haben gelernt. Madeira ist wild. Sie ist ungezähmt. Und genau deshalb lieben wir sie. Wir wollen dich heute an die Hand nehmen. Nicht als Reiseführer, sondern als Kumpel, der schon mal da war und weiß, wie der Hase läuft. Wir reden Tacheles über Kupplungen, Bremsen und warum der „Hill Holder“ dein neuer bester Freund wird. Wir nehmen den Horror-Geschichten aus dem Internet die Spitze und zeigen dir, wie du entspannt ankommst. Denn am Ende des Tages sollst du nicht auf den Drehzahlmesser starren, sondern darauf, wie sich am Abend das goldene Licht über die Lorbeerwälder legt und der Duft von Eukalyptus durch das offene Fenster weht. Steig ein. Wir machen dich fit für die Insel.
- Mythos vs. Realität: Wie schlimm ist es wirklich?
- Die Geologie der Angst: Warum die Straßen so steil sind
- Die Gretchenfrage: Manuell oder Automatik?
- Den richtigen Mietwagen wählen
- Tücken der Infrastruktur: VR1 und Tunnel
- Fahrtechnik für Genießer
- Navigations-Fallen vermeiden
- Versicherung & Mietwagen-Check
- Fazit: Dein Abenteuer wartet
Mythos vs. Realität: Wie schlimm ist es wirklich?
Lass uns erst mal tief durchatmen. Wenn du dich durch Foren wie Reddit wühlst, könnte man meinen, Madeira sei ein Autofriedhof, auf dem Touristen reihenweise an verbrannten Kupplungen verzweifeln. Da liest man Sätze wie „Autofahren auf Madeira ist wie Spaghetti umrühren in einer Achterbahn“. Ist da was dran? Ja. Ist es ein Grund zur Panik? Nein. Die meisten dieser Horror-Stories kommen von Leuten, die schlichtweg das falsche Werkzeug für den Job hatten. Wer versucht, mit einem untermotorisierten Kleinwagen, vier Personen und Gepäck eine 25-prozentige Steigung zu nehmen, der wird scheitern. Das ist Physik. Wer aber vorbereitet ist, für den ist das Fahren hier machbar. Die gute Nachricht vorweg: Dank massiver EU-Förderungen sind die Hauptstraßen in einem Zustand, von dem wir auf der A40 im Ruhrgebiet oft nur träumen können. Der Asphalt ist glatt, die Schnellstraßen (Vias Rápidas) sind modern. Du musst also nicht zwingend auf Abenteuerpfaden wandeln, wenn du nicht willst. Aber die schönsten Ecken, die versteckten Miradouros (Aussichtspunkte), die liegen nun mal oben.
Die Geologie der Angst: Warum die Straßen so steil sind
Um Madeira zu verstehen, musst du dir die Insel wie einen riesigen Eisberg aus Stein vorstellen. Was wir sehen, sind nur die obersten 1.800 Meter eines gewaltigen Vulkans, der 6.000 Meter vom Meeresboden aufragt. Flaches Land? Fehlanzeige. In unserer Heimat im Ruhrpott bauen wir Serpentinen, wenn es bergig wird. Auf Madeira hatten die Straßenbauer oft schlicht keinen Platz dafür. Die Lösung? Die Straßen wurden einfach in die Falllinie des Berges betoniert. Geradeaus hoch. Das Ergebnis sind Steigungen, die es in sich haben: Deutsche Autobahnauffahrt: ca. 4 bis 6 % Steigung. L’Alpe d’Huez (Tour de France): bis zu 13 %. Wohnstraßen in Funchal: oft 20 bis 30 %. Das bedeutet für dich: Du bewegst dich nicht nur vorwärts, sondern extrem viel aufwärts und abwärts. Das nennt man die Z-Achse. Dein Auto muss innerhalb von 20 Kilometern oft 1.500 Höhenmeter überwinden. Das ist Arbeit. Für den Motor und für dich.
Die Gretchenfrage: Manuell oder Automatik?
Hier kommt der vielleicht wichtigste Rat, den wir dir aus 30 Jahren Reiseerfahrung geben können. Es ist eine Frage des Budgets, ja. Aber noch viel mehr eine Frage deiner Urlaubsqualität. In Portugal fahren viele Einheimische noch Schaltung. Sie sind damit aufgewachsen, sie können blind am Berg anfahren. Aber du bist im Urlaub. Willst du wirklich an einer Stoppstraße mit 25 % Steigung stehen, hinter dir ein drängelndes Taxi, und dann versuchen, mit Handbremse, Kupplung und Gaspedal zu jonglieren, ohne dass die Reifen auf dem glatten Asphalt durchdrehen oder der Motor abstirbt? Der Geruch von verbrannter Kupplung gehört an manchen Aussichtspunkten fast schon zum Inventar.
Die Psychologie des “Hill Holder”
Tu dir selbst einen Gefallen: Miete einen Automatikwagen. Warum? Wegen des „Cognitive Load“, der mentalen Belastung. Wenn du nicht ständig über den richtigen Gang und den Schleifpunkt nachdenken musst, hast du den Kopf frei für den engen Gegenverkehr, die Navigation und die grandiose Aussicht. Moderne Automatikwagen haben fast alle einen sogenannten „Hill Holder“ (Berganfahrhilfe). Du gehst von der Bremse, und das Auto hält sich für zwei, drei Sekunden von selbst fest, bis du Gas gibst. Kein Zurückrollen. Keine Panik. Dieser kleine technische Helfer ist der Unterschied zwischen Schweißausbrüchen und einem entspannten Lächeln. Die 50 bis 100 Euro Aufpreis sind die beste Versicherung für deine Nerven.
Den richtigen Mietwagen wählen
Es ist nicht nur das Getriebe. Es ist das Herz unter der Haube. Ein häufiger Fehler ist das Sparen an der falschen Stelle: „Ach, der kleine Fiat Panda reicht doch.“ Hier zu Hause im Flachland reicht der auch. Aber auf Madeira, mit dünnerer Luft in der Höhe und laufender Klimaanlage, geht einem Saugmotor ohne Turbo schnell die Puste aus. Du brauchst Drehmoment. Das ist die Kraft, die dich den Berg hochschiebt. Unsere Empfehlung aus der Praxis: Kategorie Kleinwagen: Nur, wenn es ein moderner Turbo-Benziner ist (z.B. 90-100 PS). Finger weg von den ganz kleinen Saugmotoren (60-70 PS). Diesel: Immer noch der Goldstandard am Berg, aber bei Mietwagen seltener geworden. Elektro: Der Geheimtipp! Elektromotoren haben ab der ersten Sekunde volle Kraft. Ein Renault Zoe oder Fiat 500e fliegt die Berge förmlich hoch. Und bergab laden sie sich wieder auf. Reichweitenangst brauchst du bei einer Insel, die nur 57 km lang ist, kaum haben.
Tücken der Infrastruktur: VR1 und Tunnel
Madeira gleicht einem Schweizer Käse, so viele Tunnel gibt es. Das ist super, um schnell von A nach B zu kommen, birgt aber zwei Tücken. Erstens: Das Licht. Du kommst aus der gleißenden subtropischen Sonne in ein dunkles Loch. Sonnenbrille auf, Sonnenbrille ab – mach es zur Routine. Und schalte das Licht ein, auch wenn dein Auto Tagfahrlicht hat. Zweitens: Die Beschleunigungsstreifen auf der Via Rápida (VR1). Das ist wirklich speziell. Da es kaum Platz gibt, sind die Auffahrten oft extrem kurz und enden manchmal direkt an einer Mauer. Anders als in Deutschland gilt hier oft: Anhalten! Am Anfang des Streifens steht oft ein Stoppschild. Warte auf eine wirklich große Lücke. Versuche dich niemals auf gut Glück reinzudrängen. Die Einheimischen wissen das und wechseln oft auf die linke Spur, um Platz zu machen, aber verlasse dich nicht darauf.
Fahrtechnik für Genießer
Du hast das richtige Auto. Jetzt geht es um das „Wie“. Es gibt eine goldene Regel auf Madeiras engen Bergstraßen: Wer bergauf fährt, hat Vorfahrt. Warum? Weil es viel schwieriger ist, am Berg wieder anzufahren, als bergab einfach die Bremse zu lösen. Wenn dir jemand entgegenkommt, und es ist eng: Halt an, wenn du bergab fährst. Such dir eine Ausweichbucht. Sei der Gentleman oder die Lady im Verkehr. Ein Wort zu den Bussen: Die Busfahrer auf Madeira sind absolute Legenden. Sie zirkeln riesige Reisebusse durch Gassen, die kaum breiter wirken als ein Handtuch. Wenn dir ein Bus entgegenkommt: Bleib ruhig. Fahr so weit rechts ran wie möglich und bleib stehen. Der Busfahrer regelt das. Er kennt seine Maße auf den Zentimeter.
Bremsmanagement am Berg
Stell dir vor, du kommst vom Pico do Arieiro runter. Fast 2000 Höhenmeter am Stück. Wenn du da dauerhaft auf der Bremse stehst, werden die Bremsscheiben so heiß, dass sie glühen könnten. Das nennt man „Fading“, und im schlimmsten Fall trittst du irgendwann ins Leere. Nutze die Motorbremse. Auch beim Automatikwagen kannst du manuell Gänge runterschalten oder in einen „L“-Modus (Low) wechseln. Der Motor wird laut aufheulen – das ist okay, solange er nicht in den roten Bereich dreht. Lass den Motor bremsen, nicht die Beläge. Wenn du bremsen musst, dann kurz und kräftig, und lass die Bremse danach wieder los, damit der Fahrtwind sie kühlen kann.
Navigations-Fallen vermeiden
Google Maps meint es gut, aber auf Madeira ist „die kürzeste Route“ oft die abenteuerlichste. Die Algorithmen unterscheiden nicht immer zwischen einer gut ausgebauten Hauptstraße und einer asphaltierten Ziegenpfad-Gasse mit 32 % Steigung. Verlass dich auf deinen gesunden Menschenverstand. Wenn das Navi sagt „rechts abbiegen“ in eine Wand aus Asphalt, aber das gelbe Straßenschild „Funchal“ geradeaus zeigt – folge dem Schild. Die gelben Straßen auf der Karte sind meist die sicheren Hauptrouten. Und denk dran: In den Tunneln und tiefen Tälern ist das GPS-Signal oft weg. Lade dir die Karten vorher aufs Handy, damit du sie offline nutzen kannst.
Versicherung & Mietwagen-Check
Wir sind keine Fans davon, Geld zum Fenster rauszuwerfen, aber hier ist Sparen gefährlich. Die Standard-Versicherung deckt oft keine Reifen-, Glas- oder Unterbodenschäden ab. Genau das sind aber die Risiken auf Madeira: Scharfe Vulkansteine, Steinschlag auf der Schnellstraße oder ein Aufsetzer beim Übergang von einer steilen Rampe. Buche die Vollkasko ohne Selbstbeteiligung (SCDW). Am besten direkt über den Vermieter oder achte genau auf die Bedingungen bei Vergleichsportalen. Nichts ruiniert die Urlaubsstimmung mehr als eine 1000-Euro-Rechnung am Schalter, weil ein Stein die Windschutzscheibe geküsst hat. Bei der Übernahme: Schau dir das Auto genau an. Auch unten drunter an der Stoßstange, und die Felgen. Mach am besten ein einmaliges Rundum-Video mit dem Handy.
Fazit: Dein Abenteuer wartet
Jetzt weißt du Bescheid. Klingt das alles nach Arbeit? Vielleicht ein bisschen. Aber der Lohn dafür ist unbezahlbar. Es ist dieses Gefühl von Freiheit, wenn du früh morgens, lange vor den Touristenbussen, durch den Nebelwald von Fanal fährst. Wenn du an einer kleinen Poncha-Bar an der Nordküste hältst, wo sonst niemand ist. Wenn du merkst, dass du die Insel wirklich erfährst, im wahrsten Sinne des Wortes. Respekt vor den Straßen ist gesund. Angst brauchst du nicht zu haben. Mit dem richtigen Wagen (Automatik!) und der richtigen Einstellung wird das Autofahren auf Madeira vom Stressfaktor zum Highlight. Möchtest du, dass wir dir bei der Suche nach dem passenden Mietwagen oder der perfekten Route helfen? Wir haben da ein paar Kontakte, die nicht jeder im Internet findet.
